10.06.2020
Deutschland unter Vollnarkose – wie Karl Lauterbach den Deutschen das Eingesperrtsein schmackhaft macht und damit großen Erfolg hat.

Deutschland unter Vollnarkose – wie Karl Lauterbach den Deutschen das Eingesperrtsein schmackhaft macht und damit großen Erfolg hat.


Wer als Börsenhändler wenig Erfolg hat, spezialisiert sich oft darauf, Handelssysteme zu verkaufen, mit denen man noch mehr Geld als durch Spekulation machen kann. Genau so wie im Goldrausch  an der Westküste der USA nicht die Goldsucher reicht wurden, sondern diejenigen, die Schaufeln verkauften. 

Mit Karl Lauterbach hat ein Corona Schaufelverkäufer seine große Stunde! Gesundheitsminister wurde er nie, SPD Parteichef auch nicht und am Ende war er nicht einmal stellvertretender Fraktionschef. Jemand, der immer alles besser wusste, aber niemals gezwungen war, seine Besserwisserei in der Praxis anzuwenden und das wahrscheinlich auch nie wollte. 

Genau so ist es jetzt: Lauterbach hat keine Kristallkugel (seine Fliegen hat er auch nicht mehr) und ebenso wenig einen Impfstoff. Doch während Covid-19  für viele ein Schicksalsschlag ist, ist es für Lauterbach ein Wink des Schicksals, denn er konnte seine ruhende Professur für Epidemiologie versilbern. Und da er als Mediziner mehr Ahnung von Viren hat als die meisten anderen Talkshowgäste und komplexe Themen auch einigermaßen erklären kann, macht ihn das zum Dauergast bei Markus Lanz und stellt selbst Abo-Gäste wie Sahra Wagenknecht oder Wolfgang Bosbach locker in den Schatten. Wahrscheinlich muss bei Lanz nicht einmal der Stuhl desinfiziert werden, auf dem Lauterbach sitzt, weil er am nächsten Tag ohnehin wieder dort Platz nimmt. Die Generation „Ü60“, deren Schutz Lauterbach am meisten am Herzen liegt, schaut traditionell viel Talkshows, wobei es verblüfft, dass auch die Jungen seine Dauerindoktrinierung bei Markus Lanz einschalten, obwohl gerade ihnen der Lockdown die Karriere verdirbt, sie zwingt, wieder ins Hotel Mama einzuziehen und den Start in den Arbeitsmarkt zur  Bruchlandung werden lässt. 

Warum ist das so? Lauterbach verkörpert die ängstlichen Deutschen, die Reglementierung wichtig finden. Vergessen wir nicht: Das Wort „Pessimismus“, die Geisteshaltung, das Glas eher halb leer als halb voll zu sehen, wurde von dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer in die deutsche Sprache eingeführt. Viren erklären können zwar Virologen wie Christian Drosten auch, allerdings vereint Lauterbach Wissenschaft mit Politik und kommt nach der Analyse gleich zu den Maßnahmenplänen, die für alle gelten sollen außer für ihn. Denn selbige Maßnahmen, die Gesundheitsstalinist Lauterbach vorschlägt, dürften den meisten Deutschen eigentlich nicht schmecken, umso verwunderlicher, dass alle gebannt lauschen, was wohl daran liegt, dass er das alles in einem rheinischen Singsang erklärt, der inhaltlich alarmiert und im Sound beruhigt.

Kinder sind zum Beispiel für Lauterbach nur „Virenüberträger“, die man am besten komplett aus dem Verkehr zieht. Ob das wohl auch für seine eigenen Kinder gilt? Zudem verordnet Doktor Lockdown den Deutschen auch mindestens ein Jahr Schulsperre. Man muss kein Wahrsager sein, um zu sehen, wem diese Radikalkur am meisten auf die Füße fallen wird: Nicht nur den Kindern, sondern auch den Frauen, die schon jetzt befürchten, durch die Multitasking Kombi von Kinder bespaßen, Homeschooling, Haushalt (wie wäre dafür das schönere Wort „Home-Management“?) und Homeoffice in ihrer Karriere abgehängt zu werden. Schöne Lauterbach Welt: Die Frauen hocken ein Jahr zu Hause, betüdeln und unterrichten ein Jahr die Kinder und nähen Masken, die 50er lassen grüßen – während der Meister selbst durch Deutschland tingelt und ständig live in irgendeiner Talkshow sitzt. Denn online zuschalten lässt sich der Apostel des ewigen Ausnahmezustandes nicht. Hier gilt die alte Orwellsche Weisheit „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher“, was perfekt in den gegenwärtigen Krisendiskurs passt, denn derzeit entscheiden diejenigen über das Risiko anderer, die selbst keinerlei Risiko ausgesetzt sind. Dabei gibt es vier Gruppen:

  • Die mit hohem Gewinn und hohem Risiko: Unternehmer
  • Die mit geringem Gewinn und geringem Risiko: Angestellte (wenn nicht gerade Kurzarbeit oder Stellenstreichungen anstehen wie jetzt)
  • Die mit geringem Gewinn und hohem Risiko: Heilige
  • Die mit hohem Gewinn und keinem Risiko: Politiker wie Lauterbach.  

Die gesamte Argumentation von Lauterbach wäre, wie von vielen anderen, sehr viel glaubhafter, wenn er in irgendeiner Weise von den Konsequenzen, die er fordert, auch beeinträchtigt wäre, anstatt als Krisengewinner aus der Corona Zeit hervorzugehen. 

Ist Lauterbach eine Ein-Mann-Show, die sich bewusst von den Lockerungen in Deutschland abkoppelt, um sich damit umso prägnanter zu positionieren? Auch, aber nicht nur. Denn so sehr Lauterbachs   außerparlamentarische Gesundheits-Stasi die Deutschen zum kollektiven Eingesperrtsein auffordert, was wir Deutschen auch gern mit uns machen lassen, so sehr verkörpert Lauterbach doch auch den Geist der 10 – 15 % SPD. 

  • Ein gestörtes Verhältnis zum Unternehmertum, zur arbeitenden Bevölkerung, zur Arbeit allgemein und ganz besonders zu arbeitenden Frauen
  • Ständiges Messen mit zweierlei Maß: Während steuerzahlende Bürger aus Viren-Panik ihre Kinder zu Hause unterrichten sollen und zur Belohnung nie mehr ins Restaurant dürfen, werden Demonstrationen von 1000enden von Verschwörungswirrköpfen augenzwinkernd hingenommen. 
  • Ein Verrat an der jungen Generation und eine unterwürfige Bevorzugung von Rentnern

Platon würde dies wahrscheinlich als eine Mischung aus Ochlokratie (Herrschaft des Pöbels, denn die dürfen sich ja versammeln) und Gerontokratie (Herrschaft der Rentner) bezeichnen. Menschen, die arbeiten, Steuern zahlen und Kinder in die Welt setzen sind in dieser Stakeholder Gruppe nicht vertreten und auch nicht erwünscht.

Insofern liegt Lauterbach voll auf Parteilinie und nutzt seinen Talkshow Dauerstream vielleicht auch für eine ernsthafte Rückkehr in die Politik. Einen Impfstoff hat Lauterbach nicht, genau so wenig wie eine Kristallkugel. Am 28.April sagte er bei Markus Lanz exponentielles Wachstum der Infizierten für die nächsten zwei Wochen voraus. Das ist nicht eingetreten. Erinnert mich irgendwie an das „Ich werde Bundeskanzler“ Mantra von Martin Schulz. Und an den Spruch von Niels Bohr: Vorhersagen sind schwierig, besonders, was die Zukunft angeht. 

Aber auch solche Falscheinschätzungen sind ein Grund, um sich in der nächsten Talkshow dafür rechtfertigen zu müssen. Und noch einmal eingeladen zu werden und noch einmal. Und dabei sein Buch zu promoten, das – hier wage ich eine Voraussage – in nächster Zeit erscheinen wird. Titel:  Deutschland unter Vollnarkose – Warum Kinder Gift sind, Frauen in den Haushalt gehören und es unserem Land hilft, wenn wir uns alle ein Jahr lang einsperren.

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