Die großen Storytelling Desaster (1) Die Katholische Kirche in Deutschland ()

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Ab heute gibt es für die Leser dieses Blogs eine neue Serie: Die großen Storytelling Desaster! Oder: Wie macht man es besser nicht. Wir beginnen mit der größten und ältesten Vertriebsorganisation der Welt. Die derzeit allerdings eher Stornos als neue Abschlüsse produziert. Wie und warum, das lesen Sie hier:

Jesus Christus war einer der größten und besten Storyteller aller Zeiten. Seine Gleichnisse sind derart prägnant, dass sie nicht nur zum allgemeinen Sprachgut wurden, sondern auch von Agnostikern und Atheisten mit Begeisterung angewandt werden.

In der deutschen katholischen Kirche ist davon leider nicht viel übrig geblieben. Sagte Vertriebsvorstand und Unternehmensgründer Jesus Christus noch „Lasst uns Menschenfischer sein“ scheint es jetzt nur noch eine Devise zu geben: „Alle Mitglieder raus! Und zwar so schnell wie möglich!“

Der Mißbrauchskandal 2009 und 2011, der mehr als 180.000 Kirchenaustritte zur Folge hatte, reichte den Herren Bischöfen offenbar nicht. Schnell wurde dem Limburger Bischof Tebartz van Elst erlaubt, alle Kontrollmechanismen zu umgehen und Millionen für einen protzigen Bischofssitz auszugeben, so als wäre Renaissance Papst Julius II aus dem Grab gestiegen.

Wieder verließen Hunderttausende die Kirche. Bei jedem halbwegs verantwortungsbewussten Vertriebsvorstand mit einem Prozent Selbsterhaltungstrieb würden jetzt wirklich alle Alarmglocken schrillen. Nicht so bei der deutschen Bischofskonferenz. Dort hatte man offenbar das Ziel, das ohnehin schon große Desaster noch mit einer richtigen Story-Bruchlandung zu toppen.

Die Idee: Gläubige sollten auf ihre Kapitalerträge ebenfalls Kirchensteuer zahlen. Und die Banken sollten das kontrollieren! Die Kirche als geldgieriger Kraken, der mit Banken kooperiert, um den Gläubigen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Noch schlechter kann man sich nach der Finanzkrise nicht positionieren. Und dass Papst Franziskus in Rom Prunk und Protz geißelt, hat hier in Deutschland offenbar auch niemand vernommen.

Die Gläubigen reagierten. Aber nicht so wie erhofft. Statt Einnahmen auf Kapitalerträge gab es massenhaft Kirchenaustritte, Schätzungen zufolge wieder bis zu 180.000.

Und? Gibt es Licht am Ende des Tunnels?
Immerhin hat das Bistum Berlin ein neues Gotteslob herausgebracht; das Gesangbuch der Katholiken (SIEHE FOTO).
Jeder Marketing Experte im Verlag fragt sich bei einem Buch: Was kommt auf das Cover?
Tja, was könnte das in der Kirche sein? Jetzt ist das Kreuz eine der stärksten Marken der Welt. Da könnte man ja als einfach gestrickter Marketing-Mensch glauben, dass die Kirche von diesem starken „Brand“ auch Gebrauch macht. Und? Leider komplette Fehlanzeige. Das Cover des neuen Gesangbuches, das seit Ostern 2014 in den Läden bzw. Kirchen liegt, erinnert an alles, aber nicht an die christliche Kirche. Das komische Dreiecks-Gebilde auf dem Cover könnte auch das Logo einer Zeitarbeitsfirma sein.

Dort, wo die Kirche sich proaktiv gut positionieren könnte, kann ihr diese Positionierung offenbar nicht schwammig genug sein. Dort, wo eine falsche Story Schaden anrichten kann, trifft die Kirche mit gespenstischer Präzision genau den einen Fettnapf auf einem riesigen Feld.

Das ist umso tragischer, als dass sich viele Menschen nach Halt, Spiritualität und Glauben sehnen. Mit der richtigen Story könnte die Kirche diese Marktlücke bedienen. Aber da reicht es nicht aus, sich Story-Arschbomben wie die „wir greifen nach den Kapitaleinkünften der Gläubigen“ zu leisten und ansonsten lediglich ein neues Gesangbuch zu designen mit einem Logo, das an alles, aber nicht an die Kirche erinnert.

Mehr zum Branding der Katholischen Kirche und was dabei richtig und falsch läuft, finden Sie auch in Veit Etzolds Buch „Der weiße Hai im Weltraum – Storytelling für Manager“

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