Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Namen einmal benutzen würde: Friedrich Merzl. Doch je länger Friedrich Merz im Kanzleramt sitzt, desto stärker drängt sich mir der Eindruck auf, dass er sich in Angela Merkel verwandelt. Aus dem angekündigten Reformer wird der Verwalter. Aus dem Hoffnungsträger für einen Kurswechsel wird das vertraute Gesicht des „Weiter so“.
Merz war angetreten, um mit dem Reformstau aufzuräumen, um den Mehltau der Merkel-Jahre wegzublasen. Doch stattdessen wirkt es, als würde er das Erbe nicht nur verwalten, sondern fast zelebrieren. Würde in einem Unternehmen ein CEO das Haus wirtschaftlich in Schieflage gebracht haben, käme sein Nachfolger wohl kaum auf die Idee, ihn regelmäßig zu loben und auf Podien zu feiern. In der Wirtschaft gilt: Wer übernimmt, setzt eigene Akzente – oder er wird Teil des Problems. Was macht Merz? Er lädt seine alte Feindin Angela Merkel auf den CDU Parteitag ein und alle feiern mit.
Keine klare Abgrenzung
Symbolisch bleibt für mich das Titelbild des The Economist am Ende der Merkel-Ära: ein erschöpfter Bundesadler, überschrieben mit „The mess that Merkel left behind – Das Chaos, das Merkel hinterlassen hat“. Dieses Bild war hart – aber es traf einen Nerv. Deutschland wirkte müde, bürokratisch überladen, wirtschaftlich ausgebremst. Migration, die das Land überforderte, eine Energiewende, die das Land wieder abhängig von den Launen der Natur machte und die Industrie aus dem Land vertrieb und eine Wirtschaft, der eine Fessel nach der anderen auferlegt wurde, während die wirklichen Vergehen und Kapitalverbrechen meist folgenlos bleiben.
Ernst genommen werden für was?
Und nun? Vor wenigen Tagen hielt Merz eine starke Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Deutschland müsse wieder ernst genommen werden, sagte er. Ich stimme ihm zu. Aber Respekt entsteht nicht durch Pathos. Respekt entsteht durch wirtschaftliche Stärke.
Früher haben Unternehmen wie Mercedes-Benz, Volkswagen, Porsche oder BASF die Welt beeindruckt. Dazu kam der Mittelstand, wo sehr viele dieser Unternehmen Weltmarktführer in ihrer Nische waren, ohne dass dies groß herausposaunt wurde. Daher auch der Begriff „hidden champion“. So etwas beeindruckt andere Nationen. Kaputte Rolltreppen in Bahnhöfen, Großstädte, in denen wochenlang kein Schnee und Eis beseitigt wird, Millionen von Transferempfängern, Tausende von Migranten, bei denen die Regierung nicht weiß, wo sie sind, beeindrucken niemanden , sondern lösen eher ein mitleidiges Kopfschütteln aus.
Ohne Wirtschaft geht es nicht
Dabei ist die Wahrheit so simpel wie brutal. Bill Clinton hat es einst auf den Punkt gebracht: „It’s the economy, stupid.“ Es ist die Wirtschaft. Punkt. Ohne wettbewerbsfähige Unternehmen, ohne Investitionen, ohne Entfesselung von Bürokratie bleibt jede außenpolitische Ambition Rhetorik.
Was mich besonders irritiert: Merz kommt selbst aus der Wirtschaft, galt immer als liberal, marktorientiert, entscheidungsfreudig. Gerade deshalb hätte ich erwartet, dass er handelt wie ein CEO in einer Turnaround-Situation. In Unternehmen bedeutet das: klare Analyse, Verluste ehrlich benennen, Altlasten abschreiben, Strukturen neu ordnen, harte Entscheidungen treffen – und sie überzeugend kommunizieren. „Tough choices“, wie man das neudeutsch nennt. „Harte Entscheidungen.“
Stattdessen erlebe ich Zögern. Abwarten. Hoffen. Und damit genau das, was Albert Einstein sinngemäß als Wahnsinn bezeichnete: alles beim Alten zu lassen und dennoch andere Ergebnisse zu erwarten.
Keine „tough choices“
Vielleicht glaubt Merz, die Deutschen wollten keinen echten Wandel. Vielleicht fürchtet er die Unruhe, die ein klarer Schnitt mit sich bringt. Aber Führung heißt nicht, Stimmungen zu verwalten. Führung heißt, Verantwortung zu übernehmen – gerade dann, wenn es unbequem wird. Auch wenn es einen notfalls den heißgeliebten Posten kostet. So sagte es Martin Luther so schön: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Und auch Gerhard Schröder, dem ja oft Machtgier nachgesagt hat, brachte seinen grünen Koalititonspartner oft in die Spur, indem er mit Rücktritt drohte. Das Land war wichtiger als der Posten.
Mein Fazit:
Für Unternehmen bedeutet dieses Zögern Unsicherheit. Wer investieren soll, braucht Klarheit, Tempo und Mut zur Reform. Für uns Bürger bedeutet es Stillstand in einer Zeit, in der andere Länder längst Tempo machen.
Wenn Deutschland wieder ernst genommen werden will, dann nicht durch große Reden, sondern durch eine entfesselte Wirtschaft und sichtbare Reformen. Sonst bleibt Friedrich Merzel am Ende genau das: ein Kanzler, der angetreten ist, um zu verändern – und der doch nur verwaltet. Und der 2002 deshalb nicht Parteichef geworden ist, weil Angela Merkel ihm diese Führungsstärke nicht zutraute. Wahrscheinlich war das einer der Momente, wo Angela Merkel richtig gelegen hat.
Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Namen einmal benutzen würde: Friedrich Merzl. Doch je länger Friedrich Merzim Kanzleramt sitzt, desto stärker drängt sich mir der Eindruck auf, dass er sich in Angela Merkel verwandelt. Aus dem angekündigten Reformer wird der Verwalter. Aus dem Hoffnungsträger für einen Kurswechsel wird das vertraute Gesicht des „Weiter so“.
Merz war angetreten, um mit dem Reformstau aufzuräumen, um den Mehltau der Merkel-Jahre wegzublasen. Doch stattdessen wirkt es, als würde er das Erbe nicht nur verwalten, sondern fast zelebrieren. Würde in einem Unternehmen ein CEO das Haus wirtschaftlich in Schieflage gebracht haben, käme sein Nachfolger wohl kaum auf die Idee, ihn regelmäßig zu loben und auf Podien zu feiern. In der Wirtschaft gilt: Wer übernimmt, setzt eigene Akzente – oder er wird Teil des Problems. Was macht Merz? Er lädt seine alte Feindin Angela Merkel auf den CDU Parteitag ein und alle feiern mit.
Symbolisch bleibt für mich das Titelbild des The Economist am Ende der Merkel-Ära: ein erschöpfter Bundesadler, überschrieben mit „The mess that Merkel left behind – Das Chaos, das Merkel hinterlassen hat“. Dieses Bild war hart – aber es traf einen Nerv. Deutschland wirkte müde, bürokratisch überladen, wirtschaftlich ausgebremst. Migration, die das Land überforderte, eine Energiewende, die das Land wieder abhängig von den Launen der Natur machte und die Industrie aus dem Land vertrieb und eine Wirtschaft, der eine Fessel nach der anderen auferlegt wurde, während die wirklichen Vergehen und Kapitalverbrechen meist folgenlos bleiben.
Und nun? Vor wenigen Tagen hielt Merz eine starke Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Deutschland müsse wieder ernst genommen werden, sagte er. Ich stimme ihm zu. Aber Respekt entsteht nicht durch Pathos. Respekt entsteht durch wirtschaftliche Stärke.
Früher haben Unternehmen wie Mercedes-Benz, Volkswagen, Porsche oder BASF die Welt beeindruckt. Dazu kam der Mittelstand, wo sehr viele dieser Unternehmen Weltmarktführer in ihrer Nische waren, ohne dass dies groß herausposaunt wurde. Daher auch der Begriff „hidden champion“. So etwas beeindruckt andere Nationen. Kaputte Rolltreppen in Bahnhöfen, Großstädte, in denen wochenlang kein Schnee und Eis beseitigt wird, Millionen von Transferempfängern, Tausende von Migranten, bei denen die Regierung nicht weiß, wo sie sind, beeindrucken niemanden , sondern lösen eher ein mitleidiges Kopfschütteln aus.
Dabei ist die Wahrheit so simpel wie brutal. Bill Clinton hat es einst auf den Punkt gebracht: „It’s the economy, stupid.“ Es ist die Wirtschaft. Punkt. Ohne wettbewerbsfähige Unternehmen, ohne Investitionen, ohne Entfesselung von Bürokratie bleibt jede außenpolitische Ambition Rhetorik.
Was mich besonders irritiert: Merz kommt selbst aus der Wirtschaft, galt immer als liberal, marktorientiert, entscheidungsfreudig. Gerade deshalb hätte ich erwartet, dass er handelt wie ein CEO in einer Turnaround-Situation. In Unternehmen bedeutet das: klare Analyse, Verluste ehrlich benennen, Altlasten abschreiben, Strukturen neu ordnen, harte Entscheidungen treffen – und sie überzeugend kommunizieren. „Tough choices“, wie man das neudeutsch nennt. „Harte Entscheidungen.“
Stattdessen erlebe ich Zögern. Abwarten. Hoffen. Und damit genau das, was Albert Einstein sinngemäß als Wahnsinn bezeichnete: alles beim Alten zu lassen und dennoch andere Ergebnisse zu erwarten.
Vielleicht glaubt Merz, die Deutschen wollten keinen echten Wandel. Vielleicht fürchtet er die Unruhe, die ein klarer Schnitt mit sich bringt. Aber Führung heißt nicht, Stimmungen zu verwalten. Führung heißt, Verantwortung zu übernehmen – gerade dann, wenn es unbequem wird. Auch wenn es einen notfalls den heißgeliebten Posten kostet. So sagte es Martin Luther so schön: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Und auch Gerhard Schröder, dem ja oft Machtgier nachgesagt hat, brachte seinen grünen Koalititonspartner oft in die Spur, indem er mit Rücktritt drohte. Das Land war wichtiger als der Posten.
Mein Fazit:
Für Unternehmen bedeutet dieses Zögern Unsicherheit. Wer investieren soll, braucht Klarheit, Tempo und Mut zur Reform. Für uns Bürger bedeutet es Stillstand in einer Zeit, in der andere Länder längst Tempo machen.
Wenn Deutschland wieder ernst genommen werden will, dann nicht durch große Reden, sondern durch eine entfesselte Wirtschaft und sichtbare Reformen. Sonst bleibt Friedrich Merzel am Ende genau das: ein Kanzler, der angetreten ist, um zu verändern – und der doch nur verwaltet. Und der 2002 deshalb nicht Parteichef geworden ist, weil Angela Merkel ihm diese Führungsstärke nicht zutraute. Wahrscheinlich war das einer der Momente, wo Angela Merkel richtig gelegen hat.
Ursprünglich erschienen auf Focus Online: https://www.focus.de/politik/deutschland/was-mich-an-merz-aufregt-nannte-einstein-schon-wahnsinn_72cf6cb5-3d3d-42fc-8e4a-602aa0a1e0a5.html