14.01.2026
Söder will Bundesländer abschaffen – der Plan ist radikal, aber aussichtslos

Söder will Bundesländer abschaffen – der Plan ist radikal, aber aussichtslos

Flickenteppich Föderalismus – und warum sich trotzdem nichts ändern wird

Man stelle sich vor, Deutschland wäre ein Unternehmen. Ein ziemlich großes, träge gewordenes Unternehmen mit 16 Abteilungen, die alle ihr eigenes IT-System, ihre eigenen Compliance-Regeln und ihren eigenen Fuhrpark betreiben. Jeder Chef besteht darauf, dass seine Abteilung „historisch gewachsen“ ist und deshalb unbedingt weiter existieren muss. Genau in dieses Bild schlägt Markus Söder, wenn er plötzlich die Zahl der Bundesländer verkleinern will. Ein Tabubruch? Vielleicht. Ein sinnvoller? Durchaus. Ein realistischer? Wohl kaum. Und das sage ich, obwohl ich in Bremen geboren bin und wieder in Bremen lebe. 

1. Söders politisches Theater: Laut bellen, leise zurückrudern

Wer Söder kennt, weiß: Er liebt den großen Auftritt. Heute Strauß-Attitüde, morgen Baumumarmer, übermorgen Anführer des Anti-Grünen-Widerstands. Ein politischer Verwandlungskünstler, der stets spürt, wohin der Wind weht – und selten dorthin marschiert, wo es wirklich wehtut. Die Idee, kleine und ineffiziente Bundesländer abzuschaffen, klingt mutig. Aber Söder müsste erstmals wirklich beißen, nicht nur drohend knurren. Sein Track Record? Sagen wir: eher Chihuahua als bayerischer Löwe.

2. Die Powerhouses und die höfliche Verweigerung

Natürlich hat er recht: NRW, Baden-Württemberg und Bayern sind die Maschinenräume der deutschen Wirtschaft. Sie produzieren Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen – während andere Länder vor allem eins produzieren: Anträge auf Länderfinanzausgleich, hohe Sozialausgaben und Schulden.

Doch ausgerechnet NRW und Baden-Württemberg werden Söder nicht folgen. Warum? Weil man in beiden Ländern politisch korrekt bleiben will. Niemand möchte die Stadtstaaten beschämen, die finanziell am Tropf hängen. In NRW herrscht zwar die CDU, doch man ist noch immer solidarisch mit den fast ausschließlich SPD regierten Stadtstaaten. Und so hält man lieber die föderale Harmonie aufrecht, als einmal ehrlich zu sagen: „Leute, so funktioniert kein nachhaltiges Geschäftsmodell.“

3. Baden-Württemberg: Das grüne Paradox

Das absurdeste Beispiel ist Baden-Württemberg selbst. Ein Land, das hinsichtlich Zulieferindustrie und Autokonzerne vom Verbrennungsmotor lebt wie ein Bäcker vom Hefeteig – und gleichzeitig Parteien wählt, die den Verbrenner abschaffen wollen. Das Ergebnis? Stuttgart ist finanziell am Anschlag, Zulieferer taumeln, doch politisch bleibt man stoisch grün. Und ja: Natürlich zahlt man weiter brav in den Länderfinanzausgleich ein, damit in Berlin neue Mobilitätsideen erprobt oder in Bremen Projekte finanziert werden können, deren wirtschaftlicher Nutzen freundlich gesagt… überschaubar ist.

4. Die radikale Konsequenz: Bayern müsste austreten

Will Söder also wirklich Ernst machen? Dann reicht eine Schlagzeile nicht. Er müsste Bayern aus dem Bund der deutschen Länder herausführen – ein föderales Erdbeben, das die Republik erschüttern würde. Das wäre noch radikaler als Trump, der aus über 30 internationalen Organisationen austritt. Aber genau deshalb wird er es nicht tun. Dafür bräuchte es mehr als markige Sprüche: Rückgrat, Risiko und die Bereitschaft, historische Verantwortung zu übernehmen. Und seien wir ehrlich: Das ist nicht Söders bevorzugte Disziplin.

Fazit: Was heißt das für Unternehmen – und für uns?

Für Unternehmen wäre ein verschlankter Föderalismus ein Traum: weniger Bürokratie, klarere Verantwortlichkeiten, weniger Doppelstrukturen, schnellere Entscheidungen. Deutschland könnte funktionieren wie ein modernes Unternehmen – nicht wie ein Konzern mit 16 konkurrierenden Abteilungen und 16 Versionen derselben Excel-Datei.

Für uns alle würde es bedeuten: ein Staat, der effizienter arbeitet und weniger Geld in politischen Ritualen versickern lässt.

Doch solange die politischen Akteure nicht bereit sind, Macht abzugeben und echte Reformen durchzuziehen, bleibt alles beim Alten. Söder hat eine Debatte angestoßen, die dringend nötig wäre – aber wohl wieder im politischen Theaternebel verschwindet.

Deutschland bleibt damit, was es ist: ein schwerfälliger Tanker, der dringend modernisiert werden müsste – aber von Kapitänen gesteuert wird, die lieber laut hupen, als tatsächlich den Kurs zu ändern.

Flickenteppich Föderalismus – und warum sich trotzdem nichts ändern wird

Man stelle sich vor, Deutschland wäre ein Unternehmen. Ein ziemlich großes, träge gewordenes Unternehmen mit 16 Abteilungen, die alle ihr eigenes IT-System, ihre eigenen Compliance-Regeln und ihren eigenen Fuhrpark betreiben. Jeder Chef besteht darauf, dass seine Abteilung „historisch gewachsen“ ist und deshalb unbedingt weiter existieren muss. Genau in dieses Bild schlägt Markus Söder, wenn er plötzlich die Zahl der Bundesländer verkleinern will. Ein Tabubruch? Vielleicht. Ein sinnvoller? Durchaus. Ein realistischer? Wohl kaum. Und das sage ich, obwohl ich in Bremen geboren bin und wieder in Bremen lebe. 

1. Söders politisches Theater: Laut bellen, leise zurückrudern

Wer Söder kennt, weiß: Er liebt den großen Auftritt. Heute Strauß-Attitüde, morgen Baumumarmer, übermorgen Anführer des Anti-Grünen-Widerstands. Ein politischer Verwandlungskünstler, der stets spürt, wohin der Wind weht – und selten dorthin marschiert, wo es wirklich wehtut. Die Idee, kleine und ineffiziente Bundesländer abzuschaffen, klingt mutig. Aber Söder müsste erstmals wirklich beißen, nicht nur drohend knurren. Sein Track Record? Sagen wir: eher Chihuahua als bayerischer Löwe.

2. Die Powerhouses und die höfliche Verweigerung

Natürlich hat Söder  recht: NRW, Baden-Württemberg und Bayern sind die Maschinenräume der deutschen Wirtschaft. Sie produzieren Wertschöpfung, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen – während andere Länder vor allem eins produzieren: Anträge auf Länderfinanzausgleich, hohe Sozialausgaben und Schulden. Und trotzdem im Bundesrat genau so mitzureden haben wie die, die das Geld bezahlen. Eigentlich heißt es so schön: Beggars can’t be chosers – Bettler können nicht wählerisch sein. In Deutschland sind es jedoch immer die Bettler, die sagen, wo es langgeht. 

Das können sie auch weiterhin. Denn ausgerechnet NRW und Baden-Württemberg werden Söder nicht folgen. Warum? Weil man in beiden Ländern politisch korrekt bleiben will. Niemand möchte die Stadtstaaten beschämen, die finanziell am Tropf hängen. In NRW herrscht zwar die CDU, doch man ist noch immer solidarisch mit den fast ausschließlich SPD regierten Stadtstaaten. Und so hält man lieber die föderale Harmonie aufrecht, als einmal ehrlich zu sagen: „Leute, so funktioniert kein nachhaltiges Geschäftsmodell.“

3. Baden-Württemberg: Das grüne Paradox

Das absurdeste Beispiel ist Baden-Württemberg selbst. Ein Land, das hinsichtlich Zulieferindustrie und Autokonzerne vom Verbrennungsmotor lebt wie ein Bäcker vom Hefeteig – und gleichzeitig Parteien wählt, die den Verbrenner abschaffen wollen. Das Ergebnis? Stuttgart ist finanziell am Anschlag, Zulieferer taumeln, Arbeitsplätze werden abgebaut, doch politisch bleibt man stoisch grün. Und ja: Natürlich zahlt man weiter brav in den Länderfinanzausgleich ein, damit in Berlin neue Mobilitätsideen erprobt oder in Bremen grüne Vorfeldprojekte  finanziert werden können.

4. Die radikale Konsequenz: Bayern müsste austreten

Will Söder also wirklich Ernst machen? Dann reicht eine Schlagzeile nicht. Er müsste Bayern aus dem Bund der deutschen Länder herausführen – ein föderales Erdbeben, das die Republik erschüttern würde. Und das Deutschland wahrscheinlich viel mehr schaden würde als Bayern. Das wäre noch radikaler als Trump, der aus über 30 internationalen Organisationen austritt. Aber genau deshalb wird er es nicht tun. Dafür bräuchte es mehr als markige Sprüche: Rückgrat, Risiko und die Bereitschaft, historische Verantwortung zu übernehmen. Und seien wir ehrlich: Das ist nicht Söders bevorzugte Disziplin.

Fazit: Was heißt das für Unternehmen – und für uns?

Bleiben wir bei dem ursprünglichen Plan:  Für Unternehmen wäre ein verschlankter Föderalismus ein Traum: weniger Bürokratie, klarere Verantwortlichkeiten, weniger Doppelstrukturen, schnellere Entscheidungen. Deutschland könnte funktionieren wie ein modernes Unternehmen – nicht wie ein Konzern mit 16 konkurrierenden Abteilungen und 16 Versionen derselben Excel-Datei.

Für uns alle würde es bedeuten: ein Staat, der effizienter arbeitet und weniger Geld in politischen Ritualen versickern lässt.

Doch solange die politischen Akteure nicht bereit sind, Macht abzugeben und echte Reformen durchzuziehen, bleibt alles beim Alten. Söder hat eine Debatte angestoßen, die dringend nötig wäre – aber wohl wieder im politischen Theaternebel verschwindet.

Deutschland bleibt damit, was es ist: ein schwerfälliger Tanker, der dringend modernisiert werden müsste – aber von Kapitänen gesteuert wird, die lieber laut hupen, als tatsächlich den Kurs zu ändern.

ursprünglich erschienen in Focus Online: https://www.focus.de/politik/deutschland/markus-soeder-will-bundeslaender-abschaffen-der-plan-ist-radikal-aber-aussichtslos_810fa292-8d3d-46d5-b5d4-c71757e4c512.html

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